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Die kostbarste Reliquie des Trierer Domes ist der Heilige Rock, die Tunika Christi. Der Überlieferung nach brachte die Kaisermutter Helena das ungeteilte Gewand Christi nach Trier. Erstmals erwähnt wird der Heilige Rock im 11. Jahrhundert; sicher belegt ist die Geschichte des Heiligen Rockes erst ab dem 12. Jahrhundert, als er am 1. Mai 1196 vom Westchor in den neuen Altar des Ostchors gebracht wurde.
Im Jahr 1512:
Öffnung des Hochaltars in Gegenwart von Kaiser Maximilian unter Erzbischof Richard von Greiffenklau und erste Wallfahrt zum Heiligen Rock
Weitere Wallfahrten:
1513, 1514, 1515, 1516, 1517, 1524, 1531, 1538, 1545, 1655, 1810, 1844, 1891, 1933, 1959, 1996, 2012
Seit der Domrenovierung 1974 wird der Heilige Rock in seinem Holzschrein aus dem Jahre 1891 liegend unter einem klimatisierten Glasschrein aufbewahrt. Die letzte große Wallfahrt 1996 wurde zu einem Fest aller Gläubigen, das seine Fortführung in den jährlichen Heilig-Rock-Tagen findet. Nur während der Heilig-Rock-Tage ist die Heilig-Rock-Kapelle zugänglich, das Gewand ist aber nicht sichtbar. Die Ereignisse der Vergangenheit und die ungünstigen Aufbewahrungsbedingungen haben dazu beigetragen, dass sich der ursprüngliche Textilzustand sehr verändert hat, da des öfteren Ausbesserungen vorgenommen worden waren.
Die Frage nach der Echtheit des Heiligen Rockes kann nicht eindeutig beantwortet werden. Für den Gläubigen ist die Symbolik bedeutend: Die Reliquie weist hin auf Jesus Christus selbst: Seine Menschwerdung und die weiteren Ereignisse seines Lebens bis hin zur Kreuzigung und seinen Tod. Der ungeteilte und nahtlose Rock ist auch ein Zeichen der ungeteilten Christenheit und erinnert an die verbindende Kraft Gottes, wie sie im Trierer Pilgergebet um Ausdruck kommt:
"Jesus Christus, Heiland und Erlöser, erbarme dich über uns und die ganze Welt. Gedenke deiner Christenheit und führe zusammen, was getrennt ist. Amen!"
Text: Prof. DDr. Franz Ronig
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Die im Trierer Dom aufbewahrte Reliquie ist der Tradition gemäß das ungeteilte Gewand Jesu Christi. Wie das Johannesevangelium berichtet, wurde ein Teil der Gewänder Jesu nach dessen Kreuzigung verteilt, der Leibrock Jesu indessen verlost, da er den Soldaten für eine Zerteilung zu kostbar erschien. Denn er war „von oben her ganz durchgewebt und ohne Naht“ (Joh 19,23). Ob die Reliquie in Trier wirklich das Gewand Christi ist lässt sich exakt weder mit historischen, noch mit naturwissenschaftlichen Methoden beweisen. Die Überlieferung besagt, dass Flavia Julia Helena, die Mutter des römischen Kaisers Konstantin, die Tunika Christi vom Heiligen Land nach Trier gebracht hat.
Die Reise Helenas ins Heilige Land ist historisch verbürgt. 327 oder 328 reiste die damals schon hochbetagte Helena ins Heilige Land. Allerdings war diese Reise nicht nur eine Pilgerfahrt, sondern hatte auch politische Ziele. Für die konstantinische Dynastie sollte Helena in den erst kurz zuvor Konstantins Gegnern entrissenen Provinzen Präsenz zeigen. Dass sie dort im Schutt des Berges Golgatha das Kreuz Christi gefunden hat, geht auf die Berichte der Bischöfe Gelasius von Caesarea und Ambrosius von Mailand zurück. Vom Heiligen Rock ist in diesen spätantiken Berichten nicht die Rede. Das älteste Zeugnis für die Annahme, dass Helena den Heiligen Rock nach Trier brachte, findet sich in den Gesta Treverorum, der trierischen Chronik des frühen 12. Jahrhunderts.
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