Andreas-Tragaltar

Andreas-Tragaltar

Der Andreas-Tragaltar birgt eine Sohle der Sandale des Apostels. Die unter Erzbischof Egbert mit immensem materiellem und künstlerischem Aufwand gefertigte Hülle stellt eines der bedeutendsten Werke der Schatzkunst des 10. Jahrhunderts dar.

Durch eine Schenkung der Kaiserin Helena besaß der Trierer Dom nicht nur bedeutende Reliquien von Christus, sondern auch von zwei Aposteln, den Petrusstab (heute im Limburger Domschatz), zwei Glieder der Kette des Apostelfürsten und eine Sohle der Sandale des Apostels Andreas.

Der Heilige genoss unter Erzbischof Egbert (977 bis 993) besondere Wertschätzung, dieser ließ ihm zu Ehren an der Nordseite des Domes die Andreas-Kapelle erbauen, in der der Erzbischof auch begraben werden wollte.

Der Trierer Goldschmied sollte zwei klassische Gattungen der Schatzkunst miteinander zu verbinden: ein Reliquiar genauer, ein sprechendes Reliquiar, und einen Tragaltar. Die erste Aufgabe löste er, indem er einen reich rechteckigen Eichenholzkasten anfertigte, auf dem ein aus Goldblech getriebenes Bild des Apostelfußes befestigt worden war. Er zeigt an, dass in dem Schrein die Sohle der Sandale des Heiligen aufbewahrt wird. Die edelsteinbesetzten Sandalenriemen unterstreichen diese Botschaft.

Außerdem sollte der Goldschmied einen Tragaltar herstellen, einen transportablen Altar, wie ihn Kaiser, Könige und Bischöfe auf Reisen mit sich führten und an dem sie auch in ihrem Haus die Messe lesen lassen konnten.

Auf diese Funktion weist am Andreas-Tragaltars eine antike Millefioriplatte (Tausendblumenglas) auf der Oberseite, deren Umschrift darüber Auskunft gibt, dass der Tragaltar dem Heiligen Andreas geweiht ist. Ringe an den in Form von Löwen gestalteten Füßen und an der Oberseite dürften es ermöglicht haben, den Tragaltar aufzuhängen oder bei Prozessionen mitzuführen. Zudem konnte der Schiebedeckel geöffnet und die einzelnen Reliquien gezeigt werden.

Der Schmuck der vier Seitenflächen macht einen ungeheuren künstlerischen und materiellen Aufwand deutlich: An den beiden Längsseiten sind Elfenbeinplatten befestigt, auf denen Evangelistensymbole und Löwen angebracht sind. Die Platten werden von umlaufenden Bändern mit Emailplättchen, Edelsteinen und Perlen eingefasst. Die beiden Stirnseiten sind mit noch größerem Aufwand geschmückt: Auf der Vorderseite erkennt man zwei perlenbesetzte Andreaskreuze, die Rückseite zeigt in der Mitte ein von Perlen eingefaßtes und mit Almandinen besetztes Medaillon. Sein Zentrum bildet eine Goldmünze Kaiser Justinians I..

Der Andreas-Tragaltar ist in kunsthistorischer Sicht ein Meisterwerk der Goldschmiedekunst der Romanik, bei dem nahezu alle im 10. Jahrhundert bekannten Techniken verwendet wurden. Zudem ist er ein heilsgeschichtliches Kompendium, das Assoziationen zur Bundeslade weckt und das die Einheit der vier Evangelien in Christus betont. Zudem unterstreicht er die Bedeutung der Trierer Kirche mit ihrem hohen Alter und ihrer apostolischen Nachfolge. Und schließlich hält er den Namen des Urhebers Erzbischof Egbert fest, dem seine Nachfolger gedenken sollten, wenn sie die Messe an dem Tragaltar feierten oder die Andreaskapelle aufsuchten.

Autor: Prof. Dr. Wolfgang Schmid