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Den Dom und Liebfrauen ertasten

Bronzemodell der Doppelkirchenanlage vor der Dom-Information aufgestellt

Die vielen Möglichkeiten, sich ein Bild vom Dom und der Liebfrauenkirche zu machen, sind ab sofort um eine dreidimensionale Variante reicher. Am Domfreihof/Ecke Dom-Information steht nun ein Bronzemodell im Maßstab 1:200, das Gestalt und Ausmaße der Kirchen mit ihren frühchristlichen Wurzeln erkennen lässt. Dabei ist nicht nur das Betrachten, sondern auch das Berühren ausdrücklich erwünscht, denn das Tast-Modell soll auch blinden und sehbehinderten Menschen ermöglichen, sich zu informieren.

Bei der Einsegnung am 29. Juni machte Dompropst Werner Rössel auf die lange Entstehungsgeschichte aufmerksam. Vor 19 Jahren habe sich der kürzlich verstorbene Diözesankonservator Professor Dr. Franz Ronig mit dem Wunsch nach einem Modell der Kirchen an Hans-Joachim Woditsch gewendet. Woditsch, der seit vielen Jahren Gästegruppen durch die Stadt und den Dom führt, ist Historiker und gelernter Maschinenbauer. Aus seiner Hand stammen auch die Modelle der Trierer Römerbauten im Landesmuseum. Das Domkapitel habe dann die Realisierung vorangetrieben. Als dessen Leiter dankte Rössel der Kunstgießerei Lotito aus Köln, die den Bronzeguss im Wachsausschmelzverfahren auf der Basis von Woditschs Vorstudie ausgeführt hatte. Da diese im Maßstab 1:100 aber zu groß geworden wäre, fertigte die Firma Duplex vom Ur-Modell einen aufwendigen Scan, der anschließend als 3D-Druck-Modell im endgültigen Verhältnis 1:200 der Kunstgießerei als Vorlage diente. Nach mehreren Werkstattbesuchen sei schließlich das Bronzemodell in bis zu 15 Einzelteilen gegossen und zusammengeschweißt worden, wie Luigi Lotito erläuterte.

Der Dompropst dankte auch der Trierer Steinwerkstatt Raquet, die den Sockel aus Mendiger Basaltlava fertigte, sowie Oberbürgermeister Wolfram Leibe für die Unterstützung der Stadt und des Tiefbauamtes. Ebenso gelte sein Dank den vielen Trägern des Projektes, darunter auch die Pfarrei Liebfrauen, und den „kleineren und größeren Spendern“, durch die etwa 30.000 Euro für die Finanzierung zusammenkamen. Die Bischof-Stein-Stiftung gewährte einen Zuschuss von 8.000 Euro. Dom und Liebfrauenkirche seien von großer Bedeutung weit über die Stadt Trier hinaus, sagte Thomas Theis, Leiter Zentrum für Stiftungen und Fundraising im Bistum Trier und Mitglied im Vorstand der Bischof-Stein-Stiftung. „Vor allem sind es lebendige Orte des Glaubens, die ihren Besuchern Halt geben und den vielen Gästen der Stadt einen Zugang zu den Glaubensfragen des Menschen ermöglichen. Das Tastmodell hilft, diese Weltkulturerbestätten im wahrsten Sinne begreifbar zu machen.“
Rössel betonte, es sei nicht nur ein Modell für Blinde und Sehbehinderte, sondern aufgrund seiner Höhe auch gut geeignet, vom Rollstuhl aus betrachtet und von Kindern betastet zu werden. Eine umlaufende Beschriftung bezeichnet – auch in Braille-Schrift – die einzelnen Gebäudeteile, die zum Teil „bis in die Mauerstrukturen hinein“ realistisch wiedergegeben sind. Er wünsche sich viele Schulklassen und Besuchergruppen, die nun ihre Domführungen mit Erläuterungen am Modell beginnen könnten, sagte Rössel, der das Modell anschließend einsegnete.