Das Logo des Trierer Doms
Ansichten des Trierer Doms
Suche  
InfosGottesdienstbesucherPilgerReisendeMusikinteressierteKinder & JugendlicheLinks
 
Aktuelles
Heiliger Rock
Öffnungszeiten
Gottesdienste
Geschichte
Die Trierer Bischöfe
Der Dom als Kathedrale der Trierer Bischöfe
Bau- und Kunstgeschichte
Domschatz
Der Domstein
Institutionen
Führungen
Infomaterial
Dom-Shop
Geschenkgutscheine
 

Der Trierer Dom als Bischofskirche


 
 Nordwestansicht des Trierer Doms
 
Nordwestansicht des Trierer DomsGroßansicht - Öffnet ein neues Fenster
Der Trierer Dom ist die älteste Kirche Deutschlands. Sie ist aber auch das älteste Bauwerk Deutschlands, das noch seinem ursprünglichen Zweck dient: Ort des Gottesdienstes, der Versammlung der christlichen Gemeinde und Kathedralkirche des Bischofs der Diözese Trier. Nur weil sie durch die Jahrhunderte als solche genutzt wurde, ist sie - trotz mancher Zerstörung und vieler Umbauten - als Ganzes auf uns gekommen. Als Bischofskirche ist sie die erste Kirche, die Mutterkirche des Bistums.

Bischöfe gab es in Trier schon vor dem Bau des Doms. Eucharius, Valerius, Maternus. Erst dem vierten Trierer Bischof, Agritius war es vergönnt, jenen gewaltigen Bau in Auftrag zu geben, vor dem wir heute noch ins Staunen geraten, obwohl der ursprüngliche Komplex noch um ein Vielfaches größer war, als der heutige.

Was nun ist das Spezifische einer Bischofskirche, was unterscheidet sie von anderen Kirchen und was hat sie mit ihnen gemeinsam?

Gottesdienst
Eucharistiefeier (Film ansehen)
Beginnen wir bei unserem Rundgang mit dem Altar. Er ist das Zentrum jeder Kirche. An ihm feiert die versammelte Gemeinde die Eucharistie, der Bischof oder Priester repräsentiert in ihr Christus, den Herrn der Kirche, der sich am Kreuz auf dem Berg Golgotha für das Heil der Menschen hingegeben hat. Dieses einmalige Opfer wird in jeder Heiligen Messe gegenwärtig, damit die Menschen aller Zeiten gleichen Anteil an ihm haben können. Gleichzeitig ist die Feier der Eucharistie "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens", ja die Quelle, aus der die Kirche selber entspringt und immer wieder neu das Leben ihres auferstandenen Herrn empfängt. (vergleiche dazu Vatikanum II: Kirchenkonstitution 11; 26).
Wenn nun der Bischof zusammen mit seinen Priestern und den Gläubigen die Eucharistie in der Kathedrale feiert, so wird hierin in besonderer Weise "Kirche" als der lebendige Leib des Herrn in dieser Zeit sichtbar (vergleiche dazu Vatikanum II: Liturgiekonstitution 41).
Jede andere Eucharistiefeier, die im Bistum gefeiert wird, steht deshalb zu dieser zentralen Feier in Bezug, da der Bischof ihr eigentlicher Leiter ist und die Priester ihren Dienst in seinem Auftrag tun (vergleiche dazu Vatikanum II: Kirchenkonstitution 26).

Der nächste Ort, den eine Bischofskirche zwar mit allen anderen Kirchen gemeinsam hat, dem aber in der Bischofskirche eine besondere Bedeutung zukommt, ist der Ambo, der Ort der Wortverkündigung. "Unter den hauptsächlichsten Ämtern der Bischöfe hat die Verkündigung des Evangeliums einen hervorragenden Platz." (Vatikanum II: Kirchenkonstitution 25, Dekret über die Bischöfe 12). Als Nachfolger der Apostel sind die Bischöfe die ersten Verkünder der Frohen Botschaft an ihre Gemeinden. So wird der Bischof in jeder Heiligen Messe, der er im Dom vorsteht, den Gläubigen das Wort Gottes verkünden (lassen) und auslegen (Film ansehen). An allen hohen Feiertagen kann man hier dem Bischof oder einem der Weihbischöfe begegnen.

Baptisterium
Baptisterium (Film ansehen)
Ein weiterer wichtiger Ort bringt die Bedeutung des Doms als die Kirche des Bischofs in besonderer Weise zum Ausdruck: das antike Baptisterium, das heute durch besondere Markierungen auf dem Pflaster zwischen dem Dom und der Liebfrauenbasilika (die ja ursprünglich zum Domkomplex gehörte) gekennzeichnet ist. In den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte war es dem Bischof vorbehalten, das Sakrament der Taufe zu spenden. Er tat dies an einem zentralen Ort - seiner Kirche - und zu einem zentralen Zeitpunkt: der Osternacht. So können wir uns vorstellen, dass in den Anfangsjahren der Trierischen Kirche hier Jahr für Jahr hunderte von Taufbewerbern in das Becken stiegen, vom Bischof drei Mal untergetaucht wurden und nachher, als Zeichen ihrer neuen Würde das weiße Taufkleid anzogen. So war der Bischof im geistlichen Sinne tatsächlich Vater des ganzen Bistums, da durch seine Hand alle im Bad der Taufe zu Kindern Gottes und der Kirche wurden. Auch heute noch spendet der Bischof in der Osternacht das Sakrament der Taufe im Dom. Er tut dies aber nicht mehr exklusiv, dazu ist das Bistum und die Zahl der Taufbewerber schon seit vielen Jahrhunderten viel zu groß geworden. So unterscheidet sich die Taufe im Dom heute kaum noch von all den vielen Taufen in den Pfarrkirchen unseres Bistums. Aber nicht nur gedanklich müssen wir uns an die geistliche Vaterschaft des Bischofs für sein Bistum erinnern. Immer noch ist ihm (und seinen Weihbischöfen) die Spendung  der Firmung vorbehalten, die nah mit der Taufe verwandt ist. Allerdings kommen die Firmlinge in der Regel dazu nicht mehr nach Trier, sondern der Bischof reist zu ihnen in die Gemeinden des Bistums.

Einen weiteren Hinweis auf die zentrale Rolle, die der Bischof im gottesdienstlichen Leben seines Bistums spielt, geben zwei besondere Gottesdienste, die jährlich im Dom gefeiert werden.

Gefäße in denen Öle aufbewahrt werden
Ölgefäße innerhalb der Krypta. (Film ansehen)
Da wäre zum einen die sogenannte Chrisammesse in der Karwoche. In ihr segnet oder weiht der Bischof die Öle, die während eines Jahres in seinem Bistum für verschiedene Gottesdienste verwendet werden: das Chrisamöl für die Feier der Taufe, der Firmung, der Priester- und der Bischofsweihe, das Krankenöl für die Feier der Krankensalbung und das Katechumenenöl, mit dem die Taufbewerber gesalbt werden können. Im Anschluss an diese feierliche Messe, in der auch Vertreter des Bistumsklerus mit dem Bischof konzelebrieren, werden diese Öle von den Vertretern der Dekanate abgeholt und so ins ganze Bistum verteilt. So wird symbolisch die Verbundenheit aller Gemeinden des Bistums, ja aller Gläubigen mit ihrem Bischof verdeutlicht.

Priesterweihe
Handauflegung (Film ansehen)

Ein anderes zentrales Ereignis im Leben eines Bistums ist die Feier der Priesterweihe. Hier bestellt der Bischof nach apostolischem Vorbild durch Handauflegung und Gebet Helfer, die er anschließend - mit sakramentaler Vollmacht ausgerüstet - in den unterschiedlichsten Funktionen in die Gemeinden sendet, damit sie dort  das Evangelium verkünden, die Eucharistie feiern, die Sakramente spenden und die Gemeinden leiten. So gehört der priesterliche Dienst zum Wesen einer christlichen Gemeinde, denn er hält in ihr das Bewusstsein wach, dass sie sich nicht selbst konstituiert, wie dies bei einem Verein oder einer Partei der Fall ist, sondern dass sie die von Christus in der Kraft des Heiligen Geistes Zusammengeführte ist, die immer wieder neu aus den Sakramenten, besonders aus der Feier der Eucharistie geboren wird. Auch ist der Priester in seiner Verbundenheit mit dem Bischof und den übrigen Priestern des Bistums sozusagen das Bindeglied zwischen der einzelnen Gemeinde vor Ort und der gesamten Trierischen Kirche und der Weltkirche. Der Priester macht den Bischof in den Gemeinden gewissermaßen gegenwärtig (vergleiche dazu Vatikanum II: Priesterdekret 5).

Die Verbundenheit des Bischofs mit seinen Priestern macht im Dom in besonderer Weise das Domkapitel deutlich. Bereits in alten Zeiten war es üblich, dass der Bischof sein Amt nicht allein ausübte, sondern umgeben war von dem sogenannten Presbyterium, den Priestern, die seine Helfer waren. Dies war anfangs auch ganz konkret räumlich zu verstehen: die Priester lebten zusammen mit dem Bischof in der Bischofsstadt, oft sogar in einem gemeinsamen Haus in einer sogenannten Vita communis. Durch die Jahrhunderte hat diese Einrichtung natürlich eine Entwicklung durchgemacht. So könnten heute nicht mehr alle Priester in Trier leben, um von dort ihren Dienst zu versehen. Dafür ist das Bistum und auch die Zahl der Priester zu groß. Aber die Idee dieses den Bischof umgebenden Priesterkollegiums lebt im Domkapitel fort, dessen vornehmste Aufgabe in unserem Bistum heute die Wahl eines neuen Bischofs ist, das sich um die Angelegenheiten des Doms kümmert, das aber auch als Beratungsgremium des Bischofs fungieren kann. Den wichtigsten Dienst leistet das Domkapitel indem es für die Liturgie im Dom verantwortlich ist. Regelmäßig kommt auch das ganze Kapitel zusammen, um Gottesdienst, insbesondere das Stundengebet zu feiern. So kann man es beispielsweise immer Sonntags um 18 Uhr zur Vesper erleben.

In ganz besonderer Weise wird die Rolle des Doms als Bischofskirche durch die Kathedra deutlich, dem Sitz des Bischofs, der dieser Kirche eigentlich sogar den Namen gibt: Kathedrale. Die Kathedra, die tatsächlich nur in Bischofskirchen zu finden ist und die mit dem Wappen des Bischofs geschmückt ist, symbolisiert die Lehr- und Leitungsaufgabe des Bischofs. Er ist als Nachfolger der Apostel der verantwortliche Lehrer und Hirte seines Bistums. Er vertritt seinem Bistum gegenüber Christus als das Haupt der Kirche (vergleiche dazu Vatikanum II: Kirchenkonstitution 27).
In seiner Aufgabe als Lehrer und Hirte ist er der Garant dafür, dass das Bistum, das ihm anvertraut ist, den katholischen Glauben treu bewahrt, dass es in Gemeinschaft mit der ganzen Weltkirche bleibt, die repräsentiert wird durch den Bischof von Rom, dem Nachfolger des Apostels Petrus und dem Kollegium der Bischöfe auf der ganzen Welt. So repräsentiert der Bischof von Trier seinem Bistum gegenüber die Weltkirche, gleichzeitig ist er aber auch in dieser Weltkirche Repräsentant seines Bistums. Der  Bischof ist das Band, das Ortskirche und Gesamtkirche zusammenhält (vergleiche dazu H. de Lubac: Quellen kirchlicher Einheit, 53).

Bischofsgrab in der Krypta
Grabplatte eines Bischofs.

Schließlich wird die Verbundenheit der Trierer Bischöfe mit dem Dom dadurch deutlich, dass er seit vielen Jahrhunderten ihre Grabstätte ist. Besucht man die Bischofsgräber im Dom, die dem jeweiligen Zeitempfinden entsprechend gestaltet sind, so mag vor dem inneren Auge auch die Geschichte unseres Bistums vorbeiziehen, die so eng mit ihren Bischöfen verbunden ist. Ruhmreiches und menschliches, herrschaftliches und demütiges, Erfolg und Scheitern - alles begegnet uns hier.
Wenn wir im Dom die Heilige Messe feiern, dann wissen wir uns in ganz besonderer Weise auch mit ihnen verbunden, die vor uns gelebt haben, die den Bischofsstab des Heiligen Eucharius in ihrer Zeit geführt haben und die so mit dafür gesorgt haben, dass der Dom noch steht, dass uns der Glaube treu überliefert wurde, und dass wir somit heute in diesem herrlichen Raum einstimmen können in das Lob Gottes!

Text und Filme: Domvikar Markus Nicolay


 
  zur Druckansicht (öffnet neues Fenster)