Der Trierer Dom als Bischofskirche
Bischöfe gab es in Trier schon vor dem Bau des Doms. Eucharius, Valerius, Maternus. Erst dem vierten Trierer Bischof, Agritius war es vergönnt, jenen gewaltigen Bau in Auftrag zu geben, vor dem wir heute noch ins Staunen geraten, obwohl der ursprüngliche Komplex noch um ein Vielfaches größer war, als der heutige. Was nun ist das Spezifische einer Bischofskirche, was unterscheidet sie von anderen Kirchen und was hat sie mit ihnen gemeinsam?
Wenn nun der Bischof zusammen mit seinen Priestern und den Gläubigen die Eucharistie in der Kathedrale feiert, so wird hierin in besonderer Weise "Kirche" als der lebendige Leib des Herrn in dieser Zeit sichtbar (vergleiche dazu Vatikanum II: Liturgiekonstitution 41). Jede andere Eucharistiefeier, die im Bistum gefeiert wird, steht deshalb zu dieser zentralen Feier in Bezug, da der Bischof ihr eigentlicher Leiter ist und die Priester ihren Dienst in seinem Auftrag tun (vergleiche dazu Vatikanum II: Kirchenkonstitution 26). Der nächste Ort, den eine Bischofskirche zwar mit allen anderen Kirchen gemeinsam hat, dem aber in der Bischofskirche eine besondere Bedeutung zukommt, ist der Ambo, der Ort der Wortverkündigung. "Unter den hauptsächlichsten Ämtern der Bischöfe hat die Verkündigung des Evangeliums einen hervorragenden Platz." (Vatikanum II: Kirchenkonstitution 25, Dekret über die Bischöfe 12). Als Nachfolger der Apostel sind die Bischöfe die ersten Verkünder der Frohen Botschaft an ihre Gemeinden. So wird der Bischof in jeder Heiligen Messe, der er im Dom vorsteht, den Gläubigen das Wort Gottes verkünden (lassen) und auslegen (Film ansehen). An allen hohen Feiertagen kann man hier dem Bischof oder einem der Weihbischöfe begegnen.
Einen weiteren Hinweis auf die zentrale Rolle, die der Bischof im gottesdienstlichen Leben seines Bistums spielt, geben zwei besondere Gottesdienste, die jährlich im Dom gefeiert werden.
Ein anderes zentrales Ereignis im Leben eines Bistums ist die Feier der Priesterweihe. Hier bestellt der Bischof nach apostolischem Vorbild durch Handauflegung und Gebet Helfer, die er anschließend - mit sakramentaler Vollmacht ausgerüstet - in den unterschiedlichsten Funktionen in die Gemeinden sendet, damit sie dort das Evangelium verkünden, die Eucharistie feiern, die Sakramente spenden und die Gemeinden leiten. So gehört der priesterliche Dienst zum Wesen einer christlichen Gemeinde, denn er hält in ihr das Bewusstsein wach, dass sie sich nicht selbst konstituiert, wie dies bei einem Verein oder einer Partei der Fall ist, sondern dass sie die von Christus in der Kraft des Heiligen Geistes Zusammengeführte ist, die immer wieder neu aus den Sakramenten, besonders aus der Feier der Eucharistie geboren wird. Auch ist der Priester in seiner Verbundenheit mit dem Bischof und den übrigen Priestern des Bistums sozusagen das Bindeglied zwischen der einzelnen Gemeinde vor Ort und der gesamten Trierischen Kirche und der Weltkirche. Der Priester macht den Bischof in den Gemeinden gewissermaßen gegenwärtig (vergleiche dazu Vatikanum II: Priesterdekret 5). Die Verbundenheit des Bischofs mit seinen Priestern macht im Dom in besonderer Weise das Domkapitel deutlich. Bereits in alten Zeiten war es üblich, dass der Bischof sein Amt nicht allein ausübte, sondern umgeben war von dem sogenannten Presbyterium, den Priestern, die seine Helfer waren. Dies war anfangs auch ganz konkret räumlich zu verstehen: die Priester lebten zusammen mit dem Bischof in der Bischofsstadt, oft sogar in einem gemeinsamen Haus in einer sogenannten Vita communis. Durch die Jahrhunderte hat diese Einrichtung natürlich eine Entwicklung durchgemacht. So könnten heute nicht mehr alle Priester in Trier leben, um von dort ihren Dienst zu versehen. Dafür ist das Bistum und auch die Zahl der Priester zu groß. Aber die Idee dieses den Bischof umgebenden Priesterkollegiums lebt im Domkapitel fort, dessen vornehmste Aufgabe in unserem Bistum heute die Wahl eines neuen Bischofs ist, das sich um die Angelegenheiten des Doms kümmert, das aber auch als Beratungsgremium des Bischofs fungieren kann. Den wichtigsten Dienst leistet das Domkapitel indem es für die Liturgie im Dom verantwortlich ist. Regelmäßig kommt auch das ganze Kapitel zusammen, um Gottesdienst, insbesondere das Stundengebet zu feiern. So kann man es beispielsweise immer Sonntags um 18 Uhr zur Vesper erleben. In ganz besonderer Weise wird die Rolle des Doms als Bischofskirche durch die Kathedra deutlich, dem Sitz des Bischofs, der dieser Kirche eigentlich sogar den Namen gibt: Kathedrale. Die Kathedra, die tatsächlich nur in Bischofskirchen zu finden ist und die mit dem Wappen des Bischofs geschmückt ist, symbolisiert die Lehr- und Leitungsaufgabe des Bischofs. Er ist als Nachfolger der Apostel der verantwortliche Lehrer und Hirte seines Bistums. Er vertritt seinem Bistum gegenüber Christus als das Haupt der Kirche (vergleiche dazu Vatikanum II: Kirchenkonstitution 27).
Schließlich wird die Verbundenheit der Trierer Bischöfe mit dem Dom dadurch deutlich, dass er seit vielen Jahrhunderten ihre Grabstätte ist. Besucht man die Bischofsgräber im Dom, die dem jeweiligen Zeitempfinden entsprechend gestaltet sind, so mag vor dem inneren Auge auch die Geschichte unseres Bistums vorbeiziehen, die so eng mit ihren Bischöfen verbunden ist. Ruhmreiches und menschliches, herrschaftliches und demütiges, Erfolg und Scheitern - alles begegnet uns hier. Text und Filme: Domvikar Markus Nicolay |